Liebe Freundinnen und Freunde von Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V.,
Bei den Wahlen zum Deutschen Bundestag zu Beginn des Jahres, aber auch bei den jüngsten Präsidentenwahlen in Polen und Rumänien haben wir gesehen, dass die Gesellschaften in Europa ein immer größeres Problem mit Polarisierungstendenzen und mit dem Erstarken rechts-autoritärer Kräfte haben. Dieser Befund ist nicht mehr neu. Besorgniserregend bleibt jedoch, dass demokratische Parteien und Regierungen abgesehen von Debatten über Parteiverbote noch immer keine geeigneten Strategien finden, um dem Prozess entgegenzuwirken.
Meine feste Überzeugung ist, dass es nicht ausreicht, die Feinde der Demokratie zu bekämpfen. Vielmehr müssen die Unterstützer und Träger unserer Demokratie besser werden in dem, was sie täglich tun. Nur so kann Vertrauen zurückerlangt werden, das die Basis für eine friedliche Gesellschaft ist. In diese Richtung zeigt die „Initiative für einen handlungsfähigen Staat“, die ich im Vorfeld der Bundestagswahlen gemeinsam mit anderen Mitstreiterinnen und Mitstreitern auf den Weg gebracht habe.
Auf diesem Weg hilft außerdem der Ansatz einer demokratischen Konfliktbearbeitung, der seit Anfang 2025 über das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ besonders gefördert wird und den wir in diesem Themenheft intensiv vorstellen. Bei diesem Ansatz geht es darum, Fähigkeiten im Umgang mit gesellschaftlichen Konflikten zu verbessern, vor allem auf kommunaler Ebene. Vorbild sind Methoden aus der Mediation und eine Herangehensweise, die verschiedene Organisationen über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg erfolgreich im internationalen zivilen Friedensdienst erprobt haben. Auch im Inland können ihre Erfahrungen helfen, mit Konflikten so umzugehen, dass sie die Gesellschaft nicht spalten – ganz im Sinne der Botschaft, die Cathleen Bochmann von der Aktion Zivilcourage e. V. aus Pirna im Interview übermittelt: „Streitet miteinander, aber streitet gut miteinander!“
Mit herzlichen Grüßen
Ihr Andreas Voßkuhle