Fazit: Wachsam bleiben

Veranstaltung zur Renaissance der Atomkraft

Foto: Moderator Gerhard Harder, Dr. Nina Scheer, Jakob Blankenburg, Hartmut Berg (v.r.n.l.) © Thomas Flügge

Saggrian. Die Regionale Arbeitsgruppe Wendland des Vereins „Gegen Vergessen – für Demokratie“ hat die aktuellen Meinungsäußerungen zum Bau kleiner Atomkraftwerke, die Small Modular Reactors (SMR) genannt werden, zu einer Diskussionsveranstaltung eingeladen. Moderator Gerhard Harder begrüßte die Energiepolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion Dr. Nina Scheer, MdB aus dem Herzogtum Lauenburg und Storman-Süd, sowie den lokalen Bundestagsabgeordneten Jakob Blankenburg, der Sprecher für Umweltschutz und Klima in der SPD-Bundestagsfraktion ist.

Die Frage nach dem Hintergrund der aktuell von Söder, Reiche und anderen geführten Debatte beantworte Dr. Scheer so: „Die Erzählung vom Wiedereinstieg in die Atomenergie wird von der Realität widerlegt. Weltweit wird ein Vielfaches mehr an Erneuer- baren Energien ausgebaut als an Atomenergie. Mehr Atomkraftwerke werden stillgelegt als neue ans Netz gehen. Atomenergie ist und bleibt eine Risikotechnologie, egal in welcher Form. Erneuerbare in Kombination mit Speichern sind kostenseitig wie auch die Sicherheit betreffend unschlagbar günstig. Neue Formen der Atomenergienutzung vergrößern den bereits heute bestehenden drastischen Kostenunterschied. Erneuerbare ermöglichen die dezentrale wie ressourcenunabhängige Teilhabe der Menschen vor Ort, was für sich genommen bereits ein Sicherheitsgewinn ist.
Kleine Atomreaktoren übers Land verteilt stellen demgegenüber eine Vervielfachung von massiven Sicherheitsrisiken dar.“

„Wer heute neue Kernkraftwerke fordert, löst keine Probleme. Fehlende Fachkräfte sind dabei nur ein Aspekt. Die Entsorgung von Atommüll schafft Probleme, die auf Jahrzehnte und Jahrhunderte hinaus ungelöst bleiben. Für Unfallgefahr und Endlagerung haftet die Allgemeinheit – für die Ewigkeit“ betonte Jakob Blankenburg die Risiken. Seine Forderung lautet daher: „Anstatt Milliarden für eine Rückkehr zu längst abgeschnittenen Zöpfen zu verpulvern, müssen wir in die Zukunft investieren. Die Lösungen liegen längst auf dem Tisch: Wind-, Solar- und Wasserkraft. Erneuerbare Energien sorgen nicht nur für sauberen und bezahlbaren Strom. Sie schaffen gute Arbeitsplätze und machen uns unabhängig von Weltmarktkrisen und autoritären Regimen.“

Eine wesentliche Frage aus dem gut besuchten Plenum war, welche Verknüpfung zwischen militärischer Aufrüstung und den Forderungen nach SMRs zu erkennen sei. „Es gibt eine offenkundige, aber nicht offen thematisierte Interessensverknüpfung zwischen militärischer und energetischer Nutzung von Atomtechnologie. Dahinter steckt die Sicherung von Know How, Materialien, aber auch eine hiermit zu erreichende Verteilung der immensen Kosten wie Folgelasten, bis hin zu Endlagerkosten für radioaktiven Müll. Der Atomausstieg verlangt von uns somit immer auch den weltweiten Einsatz für nukleare Abrüstung“, erklärte dazu die Energieexpertin Dr. Scheer.

Gerhard Harder machte deutlich, wie wichtig die Fragen für die Verteidigung der Demokratie sind. Die abschließende Diskussion erbrachte die Kenntnis, das gerade aufgrund der internationalen Spannungen, in der Frage der Renaissance der Atomkraft und der Aufrüstung die Bevölkerung wachsam bleiben muss, dazu ermunterten auch beide Abgeordneten des Deutschen Bundestages.