Gemeinsames Lesen – Brücke zwischen Jung und alt
Ein generationenübergreifendes Projekt
Die Grundschule Ausonius, das Mutter-Rosa-Altenzentrum und die Stadtbücherei, so hatte man bisher noch nicht zusammengearbeitet. Eine Projektidee des Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ hatte die Protagonisten Ende letzten Jahres an einen Tisch gebracht und die Idee, die Kinder und die Seniorinnen und Senioren über gemeinsames Lesen miteinander ins Gespräch zu bringen, traf auf einhellige Zustimmung. Bei der Einwahl in die Nachmittagsprojekte Anfang Februar entschieden sich 9 Kinder für das Projekt „Freundschaft zwischen Jung und Alt“. Andrea May, Leiterin der Stadtbücherei, gestaltete mit Ihrem Vorlesebesuch in der Schule den Auftakt.
Dann beschäftigten sich die Kinder zunächst in einer Vorbereitungsphase mit Fragen wie: „Wie komme ich mit älteren Menschen in Kontakt und was sind Ihre Interessen? Wie ist das so mit der Freundschaft im Alter und was habt Ihr früher gemacht? Warum muss ich lauter reden? Wie ist das mit Einsamkeit und Abwechslung im Alltag?“, so Nadine Kügler, pädagogische Leiterin des Nachmittagsangebots der Grundschule Ausonius.
Manfred Coels, Sprecher der Regionalen Arbeitsgemeinschaft Rh.-Pfalz im Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“, stellte seine Projektidee im Weiteren im Mutter-Rosa-Altenzentrum bei der Bewohnervertretung vor. Und hier waren es dann letztendlich 7 Teilnehmerinnen. Das erste gemeinsame Treffen fand dann auch im Altenzentrum statt, wo man zunächst einmal bei gemeinsamen Brettspielen in Kleingruppen ungezwungen miteinander in Kontakt kam. „Sich beim ersten Kennenlernen auf ein Spiel und gemeinsame Spielregeln zu einigen, war für beide Seite eine Herausforderung, eröffnete aber Begegnungen, die es sonst so nicht gegeben hätte,“ so noch einmal Nadine Kügler. Und auch das Lernen der Namen war zu bewältigen. Man einigte sich schnell auf das Du, aber die Namen der Kinder aus ganz unterschiedlichen Herkunftsländern machten es den Seniorinnen teilweise nicht leicht.
Die weiteren Treffen fanden dann in den Räumen der Stadtbücherei Trier statt, wobei der Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ die Fahrt mit Kleinbussen für die Seniorinnen organisierte. Das Team der Stadtbücherei hatte Büchertische zusammengestellt mit einer bunten Mischung von Abenteuerromanen wie „Der geheime Garten“ von Francis Burnett bis zu Büchern wie „Alle da!“ von Anja Tuckermann, das kindgerecht um Verständnis und Toleranz im multikulturellen Miteinander wirbt.
Das Mutter-Rosa-Zentrum und der Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ trugen dann Sorge, dass alle Teilnehmenden ein Exemplar des ausgewählten Buchs erhielten, und so zu Hause schon mal für das nächste Treffen etwas vorbereitet werden konnte.
Die Einschätzung von Nico Weber, Ehrenamtskoordinator im Mutter-Rosa-Alten-Zentrum bringt es auf den Punkt:
„Das Vorleseprojekt zeigt, wie wertvoll und wichtig generationenübergreifende Begegnungen sind. Unser Anspruch ist es, unsere Bewohnerinnen und Bewohner nicht nur pflegerisch gut zu versorgen, sondern auch Bildungsangebote sowie sinnstiftende Aufgaben zu vermitteln und so soziale Teilhabe auch im Alter zu ermöglichen. Die Kinder beim Lesenlernen zu unterstützen, ist eine solche Aufgabe, die bei den Bewohnerinnen ein „Ich-werde-gebraucht-Gefühl“ hervorruft. Dass sie noch Tage nach den Treffen mit den Grundschulkindern lächelnd von ihren Erlebnissen berichten, spricht für das Projekt und dessen positive Wirkung.“
Und auch Nadine Kügler zog ein sehr positives Fazit. „Nach dem, was die Kinder erzählen, und aus Beobachtungen heraus, war das Miteinander und der Austausch mit den Bewohner*innen des Mutter Rosa- Altenzentrums eine tiefgreifende Erfahrung.“
Für die Demokratie einstehen, das heißt eben auch Demokratie leben, sich aktiv einzubringen im Miteinander über die Generationen und die unterschiedlichen Herkunftsländer hinweg. So weit, so gut; aber nicht immer bietet sich ohne Weiteres eine Gelegenheit dazu. Solche Gelegenheiten zu schaffen, das ist eines der Ziele des Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“. Und wenn die Gelegenheit dann so beherzt beim Schopf gegriffen wird wie von den Kindern der Grundschule Ausonius und den Seniorinnen aus dem Mutter-Rosa-Altenzentrum, dann hat die Demokratie dazugewonnen.