Nachruf auf Hans-Peter Klein
Ein leidenschaftlicher Bewahrer jüdischer Geschichte und Erinnerungskultur
Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Hans-Peter Klein, der am 20. Juni 2026 verstorben ist. Mit ihm verliert Nordhessen einen der bedeutendsten Wegbereiter der regionalen Erinnerungskultur und einen Menschen, der sich über Jahrzehnte mit außergewöhnlichem Engagement für die Erforschung und Bewahrung der jüdischen Geschichte unserer Heimat eingesetzt hat.
Hans-Peter Klein war Motor, Initiator und unermüdlicher Mitstreiter zahlreicher Projekte. Sein Name ist untrennbar mit der Rettung und Restaurierung der ehemaligen Synagoge in Gudensberg verbunden. Als Vorsitzender des Arbeitskreises Synagoge Gudensberg setzte er sich mit großer Beharrlichkeit dafür ein, das vom Verfall bedrohte Gebäude zu erhalten. Dank seines Engagements konnte die Synagoge restauriert und als Kulturhaus mit einer Dauerausstellung zur Geschichte der jüdischen Gemeinde wiedereröffnet werden.
Ein weiterer Schwerpunkt seines Wirkens war das Stolperstein-Projekt. In Gudensberg, Melsungen, Borken und anderen Orten gehörte Hans-Peter Klein zu den prägenden Initiatoren der Stolperstein-Initiativen. Mit akribischen Recherchen, der Kontaktpflege zu Überlebenden und deren Nachkommen sowie der Organisation zahlreicher Verlegungen gab er den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung ihre Namen und ihre Geschichte zurück.
Darüber hinaus engagierte sich Hans-Peter Klein über viele Jahre als Vorsitzender der Arbeitsgruppe Nordhessen des Vereins Gegen Vergessen – Für Demokratie. In dieser Funktion war er ein herausragender Netzwerker der Erinnerungskultur. Er knüpfte Verbindungen zwischen lokalen Initiativen, unterstützte Geschichts- und Stolpersteinprojekte weit über seinen Heimatort hinaus und stand zahlreichen Engagierten mit seinem historischen Wissen, seiner Erfahrung und seiner Hilfsbereitschaft zur Seite. Ob in Gudensberg, Melsungen, im Werra-Meißner-Kreis oder an vielen anderen Orten Nordhessens – überall war sein Rat gefragt. Zahlreiche Projekte, darunter auch Stolperstein-Initiativen sowie Forschungen zur Geschichte jüdischer Gemeinden, wurden durch seine Unterstützung entscheidend gefördert.
Über viele Jahre führte Hans-Peter Klein zudem als Mitarbeiter der Gedenkstätte Breitenau Schulklassen und Besuchergruppen durch die ehemalige Konzentrations- und Arbeitserziehungsstätte. Generationen junger Menschen vermittelte er die Geschichte des Nationalsozialismus und machte deutlich, welche Verantwortung daraus für unsere Gegenwart erwächst.
Darüber hinaus veröffentlichte er zahlreiche Beiträge zur Geschichte jüdischer Gemeinden in Nordhessen, unterstützte Familien auf der Suche nach ihren Wurzeln und pflegte internationale Kontakte zu Nachkommen ehemaliger jüdischer Bürgerinnen und Bürger. Sein Lebenswerk fand weit über Nordhessen hinaus Anerkennung. 2014 im Berliner Abgeordnetenhaus für seinen jahrzehntelangen Einsatz zur Erforschung der jüdischen Historie und den Aufbau von Kontakten zu Nachfahren in aller Welt ausgezeichnet durch den Obermayer German Jewish History Award.
Hans-Peter Klein verstand Erinnerung nicht als Blick zurück, sondern als Auftrag für Gegenwart und Zukunft. Mit Beharrlichkeit, historischer Genauigkeit und großer menschlicher Wärme setzte er sich gegen das Vergessen ein. Er hat das historische Bewusstsein in unserer Region nachhaltig geprägt und Menschen zusammengeführt, die sich für eine lebendige Erinnerungskultur einsetzen.
Mit Hans-Peter Klein verlieren wir einen Historiker, einen Pädagogen, einen Brückenbauer und einen leidenschaftlichen Bewahrer unserer Geschichte. Sein Vermächtnis verpflichtet uns, den Weg der Erinnerung, der Aufklärung und der Menschlichkeit fortzusetzen. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihm freundschaftlich und menschlich verbunden waren. Wir werden Hans-Peter Klein ein ehrendes Andenken bewahren.