Trauer um  Marģers Vestermanis

Margers Vestermanis 2024 mit dem Manuskript seines Buches. Foto: Winfried Nachtwei

31.07.2026. Der Verein Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V. trauert um Marģers Vestermanis. Wie das Museum „Juden in Lettland“ mitteilte, ist der Rigaer Historiker und Shoah-Überlebende gestern im Alter von 100 Jahren gestorben. Vestermanis war der letzte bekannte jüdische Überlebende des Rigaer Ghettos. Zeit seines Lebens kämpfte er darum, dass das grauenvolle Schicksal der jüdischen Bevölkerung Lettlands und der aus Deutschland und anderen Ländern nach Riga deportierten Juden nicht in Vergessenheit gerät. Während des Zweiten Weltkrieges wurden in Massakern Zehntausende Juden in Wäldern bei Riga von deutschen SS-Mitgliedern und Polizeikräften sowie lettischen Kollaborateuren erschossen. Nach dem Ende der Sowjetherrschaft gründete Vestermanis in Riga das Museum „Juden in Lettland“, und gab seiner Heimatstadt damit die Erinnerung an den jüdischen Teil ihrer Geschichte zurück.

Winfried Nachtwei, Vorstandsmitglied von Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V. und langjähriger enger Freund von Vestermanis, sagte: „Marģers Vestermanis machte durch seine Forschungen, seinen enzyklopädischen Wissensreichtum und seine Gesprächsoffenheit möglich, dass auch in Deutschland die Erinnerung an das Schicksal der jüdischen Nachbarn auflebte, von dem nach dem Zweiten Weltkrieg über 50 Jahre lang nur ein „verschollen in Riga“ geblieben war.“

Stefan Querl, stellvertretender Sprecher der regionalen Arbeitsgruppen von Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V. und Leiter des Lernortes Villa ten Hompel in Münster, sagte: „Die Biografie des Zeitzeugen ist ein Beispiel für Zivilcourage in den unterschiedlichen Zeitläufen: Während der NS-Herrschaft ebenso wie unter kommunistischer Repression bis zum Ende des Kalten Krieges.“ In einem gemeinsamen Kondolenzschreiben mit dem Münsteraner Oberbürgermeister Tilman Fuchs schreibt er: „Der wache, kritische und stets geschichtsbewusste Geist war auch im hohen Alter bei Marģers Vestermanis gepaart mit einem starken Rückgrat, um beispielsweise den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und seine fatalen Folgen für Europa klar zu benennen.

Zu seinem 100. Geburtstag am 18. September 2025 erschien Vestermanis Buch über Judenretter in Lettland „Humanity was not Dead After All. The Rescue of Jews in Nazi-Occupied Latvia, 1941–1945“. Wie das Museum Juden in Lettland gestern mitteilte, saß Vestermanis noch am Mittwoch an Korrekturen für die geplante deutsche Übersetzung des Werkes. Anfang Juli gab es ein Treffen mit Vertretern des Riga-Komitees.

Eine umfassende Würdigung Marģers Vestermanis anlässlich seines 100. Geburtstags im vergangenen Jahr finden Sie hier