Veranstaltung
Vortrag und Gespräch mit Prof. Dr. Annette Weinke (Jena)
Moderation: Peter Römer (Münster)
Die Geschichtsschreibung, oder genauer gesagt die Geschichtsschreibung der alten Bundesrepublik, hat die Nürnberger Prozesse lange unter dem Blickwinkel der Staatenbeziehungen betrachtet. Erst in den letzten Jahren hat sich, angestoßen durch kulturgeschichtliche Einflüsse auf Historiografie und Völkerrechtswissenschaft, der Blick auf „Nürnberg“ spürbar gewandelt. Im Raum steht nicht mehr allein die Frage, aufgrund welcher Gerechtigkeitsvorstellungen und mit welchen Instrumenten in Nürnberg Recht gesprochen wurde. Verstärkt werden nun die unterschiedlichen ideengeschichtlichen, identitätspolitischen und geschichtskulturellen Voraussetzungen, unter denen dies geschah, in den Blick genommen. Der Vortrag gibt einen Überblick zur neueren „Nürnberg“-Forschung und ordnet das Ereignis in seine transnationalen und globalen Bezüge ein.
Prof. Dr. Annette Weinke ist Professorin für Neuere und Neueste Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und stellvertretende Leiterin des „Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts“. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen u.a. in den Bereichen Nachgeschichte des Nationalsozialismus, humanitäres Völkerrecht und Menschenrechte im 20. Jahrhundert sowie Recht und öffentliche Geschichte nach Diktaturerfahrungen. Aktuell beschäftigt sie sich mit transatlantischen Völkerrechtler*innen und Menschenrechtsaktivist*innen im 20. Jahrhundert.
Die Reihe „Mittwochsgespräche“ steht im 2. Halbjahr 2026 unter dem Titel „80 Jahre Nürnberger Prozesse“. Anlässlich des 80. Jahrestags der Urteilsverkündung im sogenannten Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess im Oktober 1946 widmen sich die Mittwochsgespräche der Bedeutung des Prozesses und seiner Folgewirkungen bis in die Gegenwart in geschichtswissenschaftlicher, rechtshistorischer und gesellschaftlicher Perspektive. Wissenschaftler*innen und Publizist*innen präsentieren ihre neuesten Forschungen und Veröffentlichungen. Im Anschluss an die Impulsvorträge oder moderierten Fachgespräche ist eine Diskussion ausdrücklich erwünscht!
Die Veranstaltungen finden, wenn nicht anders angegeben, im Saal der Villa ten Hompel statt. Es ist keine Anmeldung erforderlich. Die Platzanzahl ist begrenzt. Es findet über Zoom eine Live-Übertragung statt. Der Zugangslink wird rechtzeitig auf der Homepage der Villa ten Hompel veröffentlicht.