Veranstaltung
Postfaktische Narrative der AfD
Eine Analyse von Plenarreden im Deutschen Bundestag
Jule Richter (Münster)
Der AfD als rechtspopulistischer Partei wird seit Jahren wiederholt nachgewiesen, falsche oder irreführende Aussagen zu verbreiten. Faktenchecks und wissenschaftliche Analysen dokumentieren diese Entwicklung, können aber nur schwer mit der Geschwindigkeit der Verbreitung entsprechender Behauptungen Schritt halten. Dieses Phänomen des „Postfaktischen“ zeigt sich nicht nur als populistische Strategie, sondern auch als gesellschaftliche Entwicklung – mit Konsequenzen für die Politik, aber auch für gesellschaftliches Vertrauen generell.
Jule Richter nimmt in ihrer Bachelorarbeit diese Entwicklung in den Blick und untersucht, welche postfaktischen Narrative sich in Reden der AfD im Bundestag erkennen lassen. In ihrem Vortrag gibt sie Einblicke in ihre Forschungsergebnisse: Welche falschen Inhalte verbreitet die AfD? Wie hängen diese Narrative mit Verschwörungserzählungen zusammen? Und hat sich das Ausmaß der Falschaussagen im Laufe der vergangenen Jahre verändert?
Jule Richter ist freie pädagogische Mitarbeiterin an der Villa ten Hompel. Sie studierte Kommunikations- und Politikwissenschaft in Münster.
„Bürgerdenkmal ohne Bürger“?
Zum erinnerungskulturellen Aushandlungsprozess um ein jüdisches Erinnerungszeichen in Lippstadt (1998–2003)
Judith Thamm (Münster)
Im öffentlichen Raum erinnern zahlreiche Mahnmale an Verfolgte des NS-Regimes. Sowohl das Holocaust-Mahnmal in Berlin als auch lokale Mahnmale in Kleinstädten sind dabei Ausdruck gesellschaftlicher und politischer Entscheidungen. Während die Erinnerungskultur zum Holocaust in der deutschen Geschichtswissenschaft bereits umfassend erforscht wurde, bestehen auf lokaler Ebene Forschungslücken. Umso ergiebiger ist ein Blick auf die Entwicklungen in der westfälischen Stadt Lippstadt. 1998 stellte die Gruppe „Frauen für den Frieden“ einen Antrag für ein zentrales Holocaust-Mahnmal. Enthüllt wurde es 2003 im Beisein von Paul Spiegel, dem damaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland. Judith Thamm untersucht in ihrer Bachelorarbeit Konflikte und Kompromisse des Entstehungsprozesses: Wer entschied über den Standort, die Form und die Gestaltung des Mahnmals?
Judith Thamm studiert Deutsch und Geschichte auf Lehramt sowie einen fachwissenschaftlichen Master in Geschichte an der Universität Münster. Sie ist Teamerin bei der Villa ten Hompel. In Lippstadt wirkte sie bei der Verlegung erster Stolpersteine mit. 2026 präsentierte sie Ergebnisse ihrer Bachelorarbeit in der Ausstellung „Poster im Bundestag – Wissenschaftsfreiheit: Die Freiheit zu forschen“ in Berlin.
Moderation: Peter Römer (Münster)
Neueste universitäre Abschlussarbeiten von Teamer*innen und Mitarbeitenden der Villa ten Hompel werden im Rahmen der Reihe „Junge Wissenschaft“ in Impulsvorträgen vorgestellt und mit den Absolvent*innen kollegial diskutiert.