Veranstaltung

Vortrag und Gespräch

Trotzdem da! Kinder aus verbotenen Beziehungen zwischen Deutschen und Kriegsgefangenen oder Zwangsarbeiter*innen

18.02.2026 19:00 Uhr
Saal der Villa ten Hompel
Kaiser-Wilhelm-Ring 28, 48145 Münster

Vortrag und Gespräch mit Lucy Debus (Hamburg)
Moderation: Karolin Engel (Münster)

Während des Zweiten Weltkriegs mussten rund 13 Millionen Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter*innen im Deutschen Reich arbeiten.
Das Verhältnis zwischen ihnen und Deutschen war vom nationalsozialistischen Rassismus geprägt. Beziehungen, die über das für die Arbeit erforderliche Maß hinausgingen, wurden streng reglementiert. Bei freundschaftlichen oder intimen Kontakten mit Deutschen drohten harte Strafen. Sie reichten von Gefängnis über die Einweisung in ein Konzentrationslager bis zur Todesstrafe. Dennoch wurden Kinder aus solchen Beziehungen geboren. Das Projekt „trotzdem da!“ mit gleichnamiger Ausstellung wurde von der Gedenkstätte Lager Sandbostel umgesetzt. Es erzählt die Lebensgeschichten dieser Kinder, die während des Zweiten Weltkriegs oder in der frühen Nachkriegszeit aus Beziehungen zwischen Deutschen und Kriegsgefangenen oder Zwangsarbeiter*innen hervorgingen. Lange wurden diese Kinder und ihre Eltern auch in der Nachkriegszeit diskriminiert. Viele erfuhren erst spät von ihrem familiären Hintergrund.
Bei den Prozessen gegen NS-Täter*innen standen nur in wenigen Fällen Verantwortliche für Verbrechen an Zwangsarbeiter*innen und Kriegsgefangenen vor Gericht. Letzteren wurde eine Rehabilitierung und Entschädigung ebenso jahrzehntelang verweigert wie verurteilten deutschen Frauen, die wegen „verbotenen Umgangs“ verfolgt und bestraft worden waren. Die Biografien, die Teil des Projekts „trotzdem da!“ wurden, zeigen exemplarisch Gemeinsamkeiten, aber auch die Vielfältigkeit in den Lebensläufen auf.
Lucy Debus ist Soziologin und betreut als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Gedenkstätte Lager Sandbostel seit 2023 das Projekt „trotzdem da!“. Seit 2024 leitet sie das Projekt. Seit 2018 arbeitet sie freiberuflich u. a. für die KZ-Gedenkstätte Neuengamme mit einem Fokus auf Frauen-Außenlager.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Vortrags-und Diskussionsreihe „Mittwochsgespräche“ statt.Die Reihe „Mittwochsgespräche“ steht im 1. Halbjahr 2026 unter dem Titel „Dialektik der Aufarbeitung – der Nationalsozialismus und die Bundesrepublik“. Sie befasst sich mit den Ambivalenzen und Unzulänglichkeiten der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus von der frühen Nachkriegszeit bis in die jüngste Vergangenheit. Wissenschaftler*innen und Publizist*innen präsentieren ihre neuesten Forschungen und Veröffentlichungen. Im Anschluss an die Impulsvorträge oder moderierten Fachgespräche ist eine Diskussion ausdrücklich erwünscht! Die Veranstaltungen finden im Saal der Villa ten Hompel statt. Es findet über Zoom eine Live-Übertragung statt. Der Zugangslink wird rechtzeitig auf der Homepage der Villa ten Hompel veröffentlicht.

Hauptorganisator:

In Kooperation mit: Evangelisches Forum Münster, Gegen Vergessen – Für Demokratie Regionalarbeitsgruppe Münsterland e.V., Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster e.V., LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. in Westfalen-Lippe