Veranstaltung

Vortrag und Gespräch

Unerwünscht. Die westdeutsche Demokratie und die Verfolgten des NS-Regimes

12.02.2026 19:00 Uhr
Saal der Villa ten Hompel
Kaiser-Wilhelm-Ring 28, 48145 Münster

Vortrag und Gespräch mit Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum (Berlin)
Moderation: Thomas Köhler (Münster)

Die renommierte Historikerin Stefanie Schüler-Springorum stellt erstmals die westdeutsche Nachkriegsgesellschaft aus Sicht der Menschen dar, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden. Damit erzählt sie  eine bislang weitgehend ausgeblendete Geschichte. Sie schildert die Erfahrungen von überlebenden Jüdinnen*Juden und Sinti* und Roma*, von ehemaligen Zwangsarbeitenden und Homosexuellen im westlichen Teil Deutschlands in den ersten Nachkriegsjahrzehnten. Es gab nach 1945 nicht weniger Antisemitismus und Rassismus, nicht weniger Hass auf Homosexuelle als während des NS, sondern wahrscheinlich sogar mehr. Das gängige Bild von der gelungenen Demokratisierung der Bundesrepublik bekommt durch die von Schüler-Springorum analysierten Geschichten einen Riss. Die Erfahrungen der ehemals Verfolgten zeigen, dass der Hass und die Ressentiments gegen sie nicht einfach verschwanden. Sie waren tief im Denken der Menschen verankert und sind es zum Teil bis heute. Die Gründe und Funktionen dieser Einstellungen mögen sehr unterschiedlich sein, doch sie haben eines gemeinsam: den Wunsch der Mehrheitsgesellschaft, dass die betroffenen Menschen nicht da sein sollten.

Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum ist Historikerin und seit 2011 Direktorin des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin sowie seit 2012 Ko-Direktorin des Selma- Stern-Zentrums für jüdische Studien Berlin-Brandenburg. Zuvor arbeitete sie bei der Stiftung Topographie des Terrors und leitete von 2001 bis 2011 das Institut für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg. Ihre zentralen Themen sind die jüdische, die deutsche und die spanische Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Vortrags-und Diskussionsreihe „Mittwochsgespräche“ statt.Die Reihe „Mittwochsgespräche“ steht im 1. Halbjahr 2026 unter dem Titel „Dialektik der Aufarbeitung – der Nationalsozialismus und die Bundesrepublik“. Sie befasst sich mit den Ambivalenzen und Unzulänglichkeiten der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus von der frühen Nachkriegszeit bis in die jüngste Vergangenheit. Wissenschaftler*innen und Publizist*innen präsentieren ihre neuesten Forschungen und Veröffentlichungen. Im Anschluss an die Impulsvorträge oder moderierten Fachgespräche ist eine Diskussion ausdrücklich erwünscht! Die Veranstaltungen finden im Saal der Villa ten Hompel statt. Es findet über Zoom eine Live-Übertragung statt. Der Zugangslink wird rechtzeitig auf der Homepage der Villa ten Hompel veröffentlicht.

Kooperationspartner:

In Kooperation mit: Evangelisches Forum Münster, Gegen Vergessen – Für Demokratie Regionalarbeitsgruppe Münsterland e.V., Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster e.V., LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. in Westfalen-Lippe